Mittwoch, 13. Dezember 2017

[Rezension] Laird Oliver - Das Lied des ewigen Nebels

Verlag: Selfpublish
Reihe: Das Lied des ewigen Nebels, Sammelband 1, Buch 1 & 2
Seiten: 300
Kauf: eBook - Taschenbuch

Inhalt 

Die Welt war vom Nebel bedeckt, nur die höchsten Berge von Eoe ragten aus dem wabernden Leichentuch. Die Menschen hatten sie in Äonen zu ihrer Heimat gemacht und den Felsmassiven hängende Gärten und Plateaus abgerungen, die wie Inseln aus dem weißen Dunst stachen, in dem sich verdrehte Kreaturen und abstoßende Monster verbargen. Jeden Monat wenn sich die beiden Monde Miai und Okine trafen, wallte der Nebel besonders heftig auf, überflutete meine Heimat und spülte die Nebelbestien bis in die Gassen unseres Dorfes Chesoba. Aber als Kommandantin der Wolkenkrieger hatte ich das im Griff, oder besser in der Pfote. Zumindest bis die Kaiserlichen kamen, Rekruten für ihren Krieg gegen die Südländer einzogen und Vater für meine Dummheit sterben würde.

Meine Meinung

Geschichte 

Im Bereich Fantasy sind mir gute, spannende Ein- und Ausstiege wichtig und ich bin froh, dass mir dieses Buch beides bieten konnte. Denn schon von Anfang an, war ich direkt dabei.
Auch merkte ich recht schnell, dass das Buch keine seichte Lektüre wird. Der Autor greift gerne mal zu extremeren Mitteln, um seinem Buch etwas Spannung zu verleihen. Für mich waren das des Öfteren kleine Schockmomente, doch gefällt mir so etwas gut in Büchern. Charaktere immer mit Samthandschuhen anzufassen ist schlicht und ergreifend langweilig und nimmt Spannung weg!
Auch eine Gewöhnungssache waren für mich die Sexszenen, die relativ detailliert beschrieben wurden. Meines Erachtens nach, waren sie nicht Nötig, um das Buch voran zu treiben und hatten auch allgemein nicht viel dort verloren. Trotzdem waren sie gut und flüssig zu lesen und brachten mich nicht ins Stocken.
Viele Geheimnisse werden angebrochen, die oftmals schon kurze Zeit später gelöst werden und einfach offensichtlich sind. Doch viele Geheimnisse bleiben auch bis zum Buchende spannend. Oftmals waren viele Stellen für mich einfach zu voraussehbar, doch vielleicht sollte das auch so sein, da der Fokus auf anderen Dingen lag.
Das letzte Drittel des Buches lies dann das Fantasy-Blut durch meine Venen Pochen. Plötzlich wurde man viel tiefer in die Welt gezogen, als man zu Anfang noch dachte. Spannende Geschichten und Legenden kommen zum Vorschein. Szenen, die einen durchs Buch treiben, die man nicht stoppen mag. Und vor allem kreative Szenen. Nichts, was ich woanders schon einmal gelesen hätte. Das letzte Drittel läutet die Buchreihe mit Pauken und Trompeten ein und macht definitiv Lust auf mehr.

Charaktere

Tabira ist die Protagonistin und zur einen Hälfte eine Katze, zur anderen ein Mensch. Schon ziemlich früh kommt sie mir erschreckend naiv und kindlich vor. Ihre Gedankengänge sind gezeichnet von einer flauschigen Kindheit, jedenfalls wirkt es so. Doch nach und nach filtert sich ihr Sinn für Strategie hinaus. Sie mag vielleicht keine gute Menschenkenntnis haben, doch weiß sie, wie sie sich selbst kontrolliert und auch andere.
Tebosch ist ein Mensch, der in das Reich der Finyan (Halb Mensch/Halb Katze) gerät. Er gefällt mir von allen am Besten, denn er zeigt Biss und Erfahrung.
Als dritte Person haben wir den Prinzen Shimayan. Er bleibt noch etwas unscheinbar, weißt aber auch Spuren von Unerfahrenheit und Naivität auf. Ich bin gespannt, wie er sich entwickeln wird.
Zu guter Letzt gibt es noch die Göttin Inea'Uni, die für eine Göttin doch sehr stark mit den Menschen kooperiert und sie aus ungefähr jeder Lebenslage rettet, wie es ihr passt. Sie plaudert alle Gedanken laut aus und Platz für kryptische Andeutungen gibt es auch nicht. Sie ist ein offenes Buch, obwohl sie wohl eher ein mystischer Charakter hätte sein sollen.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil ist detailliert und nimmt richtig an Fahrt auf. Man kann mit ihm in eine Welt abtauchen, die neu und spannend ist.
Durch "..." an vielen Satzanfängen entsteht ein neuer Leseanreiz, der oftmals verwirrt, aber nach einiger Gewöhnung gut das Buch ergänzt.
Geschrieben wurde das Buch aus vier Perspektiven. In erster Linie waren das Tabira und Tebosch. Doch auch aus Shimayans Sicht wurde geschrieben und der des Kommandanten Darves. Manchmal in Ich-Perspektive, manchmal in der dritten Person.

Cover & Titel

Das Cover gefällt mir relativ gut. Ich liebe den detaillierten Hintergrund, der vorweg nichts verrät, denn man aber mehr versteht, wenn man das Buch gelesen hat. Auch Tabira ist gut getroffen, auch wenn mir Menschen auf Covern nicht so zusagen. Zur visuellen Darstellung hilft es aber definitiv.
Auch der Titel passt gut, denn das Ende lässt vieles Offen, was es noch zu erkunden gibt. Unter anderem Geheimnisse und Geschichten über den Nebel.

Zitat

" 'Auf diese Art verbreiten wir keinen Respekt, bestenfalls Angst und Furcht.' 'Furcht ist eine veritable Basis für eine Herrschaft, mein Prinz.' " 
- Seite 42

Fazit

Ein detaillierter und spannender Auftakt der Reihe, der jedoch über eine lange Zeit sehr vorhersehbar ist. Auch die Charaktere sind mir teilweise noch mit zu wenig Tiefe unterwegs. Das Ende lässt einen jedoch nicht mehr los und ich werde definitiv weiterlesen.


Dienstag, 5. Dezember 2017

[Rezension] Kim Leopold - BlackHeart, Das Lachen der Toten

Verlag: Selfpublish
Reihe: Black Heart, Band 2
Seiten: 110
Kauf: eBook

Inhalt 

Alex führt seine neue Schülerin Louisa in eine Welt der Magie und zeigt ihr, wie sie ihre Kräfte benutzen kann. Dabei kommen sie sich unweigerlich näher, doch es ist nichts mehr verboten als eine Beziehung zwischen Wächtern und Hexen ...









Meine Meinung

Geschichte

Es geht in die zweite Runde mit der neuen Buchserie "Black Heart". Und das nicht weniger spannend, als schon der Auftakt der Serie.
Wenige Seiten bieten wenig Fläche. Der Inhalt muss besser verteilt werden, sollte aber dennoch nicht rasend abgehandelt werden. Genau das gefällt mir sehr gut bislang. Nach den ersten hundert Seiten des ersten Bandes hatte man schon einige gute Grundlagen, um sofort in die Geschichte einzusteigen. Dennoch nimmt sich die Autorin Zeit, diese Ideen erst einmal auszubauen. Und obwohl sie dies tut, kommt die Spannung bei Weitem nicht zu kurz.
Am Ende wollte ich einfach mehr haben und wissen, wie es weitergeht. In einem Buch mit "Normallänge", werden oft die Dinge noch im selben Buch geklärt. In einer Serie - besonders dieser - ist das anders und somit hat man fast immer einen Cliffhanger und das Gefühl, weiter lesen zu wollen.
Auch das Setting finde ich noch immer super. Einmal in einer vergangenen Zeit und einmal in der heutigen. Das gibt der Geschichte gleich zweimal einen besonderen Flair und lässt alles etwas mystischer wirken.

Charaktere

Am Anfang viel es mir schwer, mich an die Charaktere zu erinnern. Obwohl nur ein Monat zwischen beiden Büchern lag, so war ich mir teilweise nicht sicher. Klarer wurde das dann erst, als einige Dinge aus dem ersten Band angesprochen wurden. Ich würde das aber meinem nur halbwegs funktionierendem Namensgedächtnis in die Schuhe schieben.
Mir gefällt es gut, wie unterschiedlich die Charaktere doch sind und durch die Fakten, durch die es ausgezeichnet wird. Momentan bin ich noch ein wenig distanziert und habe noch keinen wirklichen Liebling, bin mir aber sicher, dass sich das noch ändern wird.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil ist an sich sehr packend, da vor allem Emotionen sehr gut beschrieben werden. Jedoch könnte es ein wenig detaillierter sein. Momentan ist es ein eher softer Schreibstil für die Fantasy-Schiene, aber das kommt natürlich auch immer auf das Leseralter an.
Geschrieben ist das Buch aus mehreren Sichten in der dritten Person. Männlich, sowie weiblich.

Cover & Titel

Oft passiert es, dass bei Serien die Cover gleich bleiben und sich nur kleine Details ändern. So ist es auch hier. Allerdings kann das Cover an sich und die schöne Farbwahl mich überzeugen.
Auch der Titel ist passend zum Buch. Man erfährt die Bedeutung erst gegen Ende, weshalb es hier spoilern würde.

Zitat

"Ich finde es beinahe schade, dass sich alles ändern wird, wenn wir erst im Palast angelangt sind und in unsere neuen Rollen schlüpfen müssen."
- Position 719

Fazit

Ein toller zweiter Band, der in einem passenden Tempo die Geschichte weiter einläutet und mit ordentlich Spannung punkten kann. 


Freitag, 1. Dezember 2017

[Rezension] Louis, Bohndorf, Stöcken, Weißdorn - Drei Dates mit Santa

Verlag: dp - Digital publishers
Reihe: Einzelband
Seiten: 182
Kauf Amazon: eBook

Inhalt

Die Übernahme des väterlichen Betriebs ist an sich schon eine große Sache, schließlich will man den Schlitten nicht im Schnee versenken. Wenn es sich dann jedoch um den Job von Santa Claus handelt und die Weihnachtsbriefe aus Deutschland unauffindbar sind, wird es wirklich kompliziert. Immerhin möchte CJ, als Weihnachtsmann auf Probe, keine Fehler machen. Da nützt es ihm auch nichts, dass Merry, die Oberelfe der Werkstatt, zum besorgten Kontrollfreak mutiert und Amor ihn als seinen nächsten Klienten ins Visier nimmt. Für die Liebe hat CJ im Vorweihnachtsstress wirklich keine Zeit … und Noelle, die Weihnachten mehr verabscheut als Schneematsch, ist ohnehin die vollkommen Falsche für ihn. Oder?

Meine Meinung

Geschichte

Eine Weihnachtsgeschichte der anderen Art. Noch zu Beginn habe ich eine seichte Liebesgeschichte erwartet, mit dem weihnachtlichen Flair. Doch was ich stattdessen bekommen habe war eine lustige, turbulente und überhaupt nicht kitschige Story, in der Zeit der Liebe und Vergebung.
Alles fängt an mit der weihnachtshassenden Noelle, die sich alle Mühe gibt, nichts mit W-Angelegenheiten zu tun zu bekommen. Schon zu Beginn gab es dadurch einige Schmunzelmomente, denen ich mich nicht entziehen konnte.
Doch Noelle ist nicht die Einzige. Insgesamt hat man vier Perspektiven und keine büßt das Lesevergnügen ein. Ob der Weihnachtsmann, die Chefelfe oder Amor, alle wollen doch nur ihren Job machen. Doch wenn sich dabei alle in die Quere kommen sorgt das für viel Chaos.
Besonders gefielen mir dabei die Botschaften, die nach und nach den Leser erreichten. Die Erinnerung, worum es um Weihnachten geht. Familie, Freunde. Alles andere als oberflächlich ist der Inhalt, der neben den Lach-Momenten auch für ernste Nachdenk-Momente sorgt.
Die Spannung hält sich in Grenzen, was der Geschichte keinen Abbruch tut. Man weiß schon von Anfang an, wer der Übeltäter ist und verfolgt somit nur das Rätsel, wie alles aufgedeckt wird.

Charaktere

Schwer fiel es mir, mich von diesen tollen Charakteren zu trennen.
Weihnachtsmann, Amor und Elfen. Wer stellt sie sich nicht manchmal vor. In diesem Buch bekommen sie alle eine ausdrucksstarke, facettenreiche Persönlichkeit
Der Weihnachtsmann tritt in die Fußstapfen seines Vaters und kann schon einmal stinkig werden, wenn die tägliche Dosis an Klimmzügen nicht erreicht wird. Muskeln konnten mich noch nie beeindrucken, doch CJ hatte noch viel mehr zu bieten. Mit der typischen männlichen Verwirrtheit versteht er oft nicht, was er falsch gemacht hat. Er ist süß und stark zur selben Zeit, praktisch alles, was Frau sich wünscht. Besonders schön waren seine Macken und seine unbeholfene Wortwahl, die mein Herz für ihn erwärmte.
Die Protagonistin Noelle hasst Weihnachten und setzt alles daran, den Menschen in ihrem Umfeld das zu zeigen. Dabei hat sie auch ihre verletzliche Seite, denn für alle Abneigungen gibt es einen Grund. Ihre taffe, sarkastische Art brachte mich oft zum schmunzeln und lachen und erinnerte mich ein wenig an mich selbst. Vor allem gefiel mir, wie sie sich dagegen werte, dass es den W-Mann wirklich gibt. Ihre perplexen Momente waren himmlisch.
Doch während es zwischen den beiden knistert gibt es ja noch Amor und die Chefelfe. Während die Elfe versucht, den Weihnachtsmann von Liebesangelegenheiten fernzuhalten, damit Weihnachten nicht ins Wasser fällt, versucht Amor dagegen zu halten, um seine 99,8%ige Trefferchance beizubehalten und Urlaub zu bekommen. Auch sie sorgten für viele Lacher und waren einzigartig.
Insgesamt wurden vier durch und durch authentische Charaktere geschaffen, die sich in mein Herz schleichen konnten. Gerne würde ich mehr von ihnen lesen.

Schreibstil & Sichtweise

Geschrieben ist das Buch von vier verschiedenen Autorinnen. Merken tut man das allerdings nicht. Alle vier harmonieren perfekt mit ihren Schreibstilen. Jede einzelne traf ihre Rolle perfekt. Ob nun grantig, romantisch oder zänkerisch, es war ein einziger Genuss, diese Geschichte lesen zu dürfen.
Geschrieben wurde das Buch aus der dritten Person von dem Weihnachtsmann, Amor und Noelle geschrieben. Einzig allein die Chefelfe hat eine Ich-Perspektive.

Cover & Titel

Das Cover gefällt mir gut. Obwohl ich Menschen nicht so gerne habe auf dem Cover - auch hier nicht so - finde ich es trotzdem hübsch, da sie im Hintergrund stehen und die weihnachtlichen Dekorationen im Vordergrund stehen. Glocke, Brief und Zuckerstange unter einer gehörigen Portion Schnee. Weihnachtsfeeling vorprogrammiert.
Auch der Titel passt zum Buch und muss nicht mehr groß erläutert werden.

Zitat

"Ein Land, das sich plötzlich entschlossen hatte, nicht mehr mit dem Weihnachtsmann zu kooperieren. Wer tat so etwas?"
- Position 176

Fazit

Eine humorvolle, turbulente und facettenreiche Weihnachtsgeschichte, die mich an sich gefesselt hat, wie ein Kleber. So war auch das Ende des Buches: Wieder davon los zu kommen, tat regelrecht weh.



Sonntag, 19. November 2017

[Rezension] Gisbert Haefs - Das Ohr des Kapitäns

Verlag: Heyne
Reihe: Einzelband
Seiten: 401
Kauf Verlag: Gebunden
Kauf Amazon: eBook - Gebunden

Inhalt

Nach dem Ende des Spanischen Erbfolgekriegs im Jahr 1713 erhalten englische Händler das Monopol für die Belieferung des spanischen Kolonialreichs in Südamerika mit schwarzen Sklaven. Eines Tages weigert sich der »Händler« Jenkins (de facto wohl Schmuggler), sich von der spanischen Küstenwache vor Kuba kontrollieren zu lassen, worauf der spanische Kapitän dem Zeternden kurzerhand das linke Ohr abschneidet. Als Jenkins das Beweisstück in London vorlegt, ist das in der aufgeheizten Stimmung für England Grund genug, mit dem größten Flottenaufgebot seit der Armada zu reagieren. Es kommt zum Kolonialkrieg in der Karibik. Der später berühmte Romanautor Tobias Smollett nimmt als junger Assistenzarzt an Bord eines britischen Linienschiffs an der Unternehmung teil.


Meine Meinung

Geschichte

Das fatale Ereignis in den 1720ern mal ganz anders.
Der Einstieg war simpel und sollte uns noch mehr oder weniger verfolgen. Die Szene um das Ohr des Kapitäns wurde auf Papier gebracht und szenisch wunderbar beschrieben. Dadurch entstand die Illusion bei mir, dass auch die Geschichte dort spielen wird: Auf dem Meer.
Doch Autor Haefs ließ sich etwas ganz anderes einfallen: Er mischte die Fiktion mit der Non-Fiktion und plötzlich landete der Leser auf einer interessanten Schatzsuche, dessen Geschichte Generationen verknüpft und Distanzen überbrückt.
Erzählt wird die Geschichte einige Jahre später durch die Augen der Beteiligten. Während der Reise tritt der Protagonist in Kontakt mit dem Romanautor Tobias Smollett, der im damaligen Krieg Schiffsarzt war. Dieser ist von einer komischen Natur, aber immer auf der Suche nach neuen Geschichten und vermutlich weniger Einsamkeit. Somit kommt es dazu, dass die Geschichte des Krieges aus zwei Sichten erzählt wird...aus englischer und auch spanischer.
Zum einen war das eine wirklich tolle Idee. Man stellt sich somit auf keine Seite, erlebt beide Perspektiven und ist dennoch mittendrin. Durch die leicht säuerliche Art und Weise Smolletts hat man zudem einige Anekdoten. Leider wurde auch viel in der Zeit gesprungen. Von einem Tag zurück zu einem älteren. Es gab viele Unterbrechungen, wie sie bei einer Erzählung nur natürlich sind und viele griesgrämige Gefechte zwischen den Beteiligten. Manchmal wirkte alles nur verwirrend und unsortiert.

Charaktere

Die Charaktere passten alle hervorragend in die Zeit des Krieges. Doch weit weg vom "bösen Anführer"-Klischee, hat man hier einen gerechten und freundlichen Kapitän, den man dennoch nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.
Schön fand ich vor allem auch die ausführlichen Beschreibungen des Schwarzen Ortiz, der viel Talent aufwies und somit nicht nur ein schlichter Putzjunge war und das Deck schrubbte.
Schwierigkeiten hatte ich mit Romanautor Tobias Smollett. Die Zeit scheint ihn bitter gemacht zu haben. Ständig fallen herablassende Kommentare von ihm, die als Witz und Ernst gleichzeitig gehandhabt werden können. Es fiel mir als Leser schwer, ihn zu mögen - das war wohl auch nicht die Intention. Er war das Gewürz in der Suppe und gab dem Buch eine besondere Note.
Allgemein kam man den Charakterne nur geringfügig näher. Alles bleibt eher auf Distanz, was auch hilft, das Buch subjektiv zu sehen.

Schreibstil & Sichtweise

Oft habe ich Probleme mit Schreibstilen in historischen Romanen. Sie sollen informativ sein und den Leser trotzdem fesseln, doch oft geht der "fesselnde" Aspekt verloren unter Fakten. Hier jedoch war das ganz anders. Durch die Mischung mit der Fiktion wird das Buch lebendiger. Dadurch wird dem Schreibstil mehr Freiraum gelassen, der auch genutzt wurde. Langweilig wurde mir nie.
Geschrieben ist das Buch in erster Linie aus der Sicht des Kapitäns Belmonte. Doch auch andere Sichtweisen werden zwischendurch eingebunden.

Cover & Titel

In der oberen Hälfte sieht man eine Karte, während in der unteren die Schiffe schwimmen, mit dem Nebel von Kanonenfeuer. Durch die Farbe wirkt alles ein wenig veraltet, wie auf einem alten Stück Papier. Das gefiel mir sehr gut, da es ja ein historisches Buch ist. Das Cover gefällt mir sehr gut.
Auch der Titel ist anziehend und vielleicht der wichtigste Auslöser im Krieg. Weshalb er wohl auch gewählt wurde. Es wird zu Anfang und Ende erwähnt, doch verliert etwas an Bedeutung.

Zitat

" 'Muß ich etwas unterschreiben?' 'Das machen wir per Handschlag. Hände halten länger als Papier, hombre.' " 
- Seite 20

Fazit

Ein gelungener historischer Roman, der durch die Erzählperspektive beider Kriegsseiten und außergewöhnlichen Charakteren punkten kann. Jedoch sind die Sprünge und Einwände teilweise verwirrend.


*vielen Dank an den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar. Dies beeinflusst meine Meinung nicht. 


Montag, 13. November 2017

[Rezension] Emily Thomsen - Flerya, Drachenschlaf

Verlag: Drachenmond
Reihe: Flerya, Band 1 von 3
Seiten: 340
Kauf Verlag: Taschenbuch
Kauf Amazon: eBook - Taschenbuch

Inhalt 

Einst verbannte der Drachenkönig Gardorath die Herrscherin der Ghul und bewahrte damit das Reich vor dem Niedergang. Nur die Trägerin des magischen Armbandes Kemantie kann Aine befreien. Nichts anderes will Yadiran, der oberste Feldherr der dunklen Herrscherin und dabei ist ihm jedes Mittel recht. Er entführt Gardoraths Tochter Flerya, die untrennbar mit Kemantie verbunden ist und zieht sie als sein eigenes Kind auf. Ohne Erinnerung an ihre wahre Herkunft schenkt sie ihm ihre ganze Liebe. Doch der kaltblütige Seelenfresser wartet nur auf Fleryas sechzehnten Geburtstag. Es ist der Tag, an dem der Drache in ihr erwacht und sie Aine befreien wird. Der Tag an dem Yadiran ihren Tod fordert. Gebrochen vom Verrat und auf sich allein gestellt, versucht Flerya ihrem Häscher zu entrinnen – und den Untergang Emireschas abzuwenden.


Meine Meinung

Geschichte 

Oft habe ich bei dem Verlag das Gefühl, dass die Geschichten einfallsreich und toll sind, jedoch die Umsetzung oft besser hätte sein können. Umso mehr überraschte es mich, als ich mit Flerya ein Buch gefunden hatte, was mich mal wieder richtig überzeugen konnte.
Zunächst fiel mir ein Einstieg in das Buch schwer. Es werden ziemlich viele Charaktere mit Namen in die Geschichte eingeführt, von denen ich noch nie in meinem Leben etwas gehört habe. Das prägt sich leider nicht so gut ein und wird mich wohl auch im nächsten Band noch begleiten.
Auch mit den Beschreibungen wurde ich am Anfang nicht allzu sehr warm. Das liegt weder daran, dass sie nicht detailliert gewesen wären oder nicht gut geschrieben, sondern eher daran, dass sie teilweise gefehlt haben. Verschiedene Kreaturen werden in das Buch eingeführt, die nur dürftig beschrieben wurden. Beispielsweise ist mir der Begriff "Undine" noch nie über den Weg gelaufen. Was können diese Wesen?
Ebenso erging es mir mit Beschreibungen der Welt. Dort, wo sich die Geschichte abspielte, wurde alles ausführlich und sehr bildlich beschrieben. Umso trauriger war ich, dass die Welt an sich, die oft erwähnt wird, kaum oder nicht bildhaft beschrieben wurden.
Doch so ausführlich ich diese Kritikpunkte nun beschrieben habe, umso mehr machten die positiven diese Aspekte wett. Denn die Geschichte gefiel mir außerordentlich gut. Zwei verfeindete Spezies, doch wer ist Gut und wer ist Böse? Hier entscheidet der Leser selbst, denn wie es eben realistisch ist, haben beide Seiten gute und schlechte Dinge getan.
Der Ort, an dem das Geschehen in erster Linie sich abspielt ist detailliert, geheimnisvoll und birgt eine Menge Enteckungen. Man lernt erneut fremde Wesen kennen, mit dessen Beschreibung ich diesmal zufrieden war. Auch die Ortschaft konnte ich mir bildlich vorstellen. Die Szenen dort waren spannend und ich bin nur so über die Seiten geflogen.
Das Ende konnte mein Fantasyherz höher schlagen lassen. Eine perfekte Portion aus Spannung, Action und Neugierde auf den Folgeband. Man kommt als Leser nicht zu kurz, es passiert richtig etwas.

Charaktere

Als Hauptcharakter hat man natürlich Flerya. Sie feiert in dem Buch ihren 16. Geburtstag und ist somit eine relativ junge Protagonistin. So kam es manchmal auch vor, dass sie etwas trotzig wirkte oder unerfahren. Definitiv realistischer, als wenn sie in ihrem Alter überreif wäre.
Dann haben wir das Krieger-Trio, die für den Drachenkönig arbeiten. Sie alle sind sympathisch und wachsen einem schnell ins Herz. Mit ihren Tierpartnern haben sie das außergewöhnliche Extra.
Nebst einigen Inselbewohnern, die alle eine einzigartige Geschichte zu erzählen haben, gibt es auch noch den Ghulkönig, dem auch eine Sicht gewidmet wurde, die endlich mal aufzeigt, wie denn herzlose Könige wirklich so denken.
Allgemein liebte und hasste ich die Charaktere, mich lies niemand kalt, alle hatten eine Rolle.
Auch die Liebesgeschichte schob sich nicht in den Vordergrund und lässt einiges offen, so wie ich es mag.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil schwankt zwischen einer Schnelllebigkeit und Detailliertheit. Weniger wichtige Stellen wurden schneller abgehandelt, als wichtige. Das half der Geschichte, besser voranzukommen, ohne sich an uninteressanten Stellen zu lange aufzuhalten.
Geschrieben wurde das Buch in erster Linie aus Fleryas Sicht, doch teilweise auch aus den Sichten von dem Krieger Liam, dem Ghoul- und Drachenkönig.

Cover & Titel

Wie so oft bei dem Verlag ist das Cover eine Augenweide. Durch die Abbildungen des Drachens und Flerya - zum Glück nur in einer kleinen Version - kann man sich schon einmal ein erstes Bild machen. Auch im Buch sind sehr schöne Zeichnungen vorhanden!
Der blaue Nebel, um den Drachen herum, verkörpert für mich ein wenig den "Schlaf", indem der Drache sich befand. Die obere Coverhälfte widmet sich mehr dem Setting.
Den Titel finde ich ebenfalls schön gewählt. Einerseits widmet er sich eher der ersten Hälfte des Buches, andererseits ist es der ausschlaggebende Faktor im Buch.

Zitat

"Das Herz eines Drachen musste viel größer sein als ein menschliches. Anders konnte ich mir den unsäglichen Schmerz, den ich beim Gedanken an diesen Verrate hatte, nicht erklären."
- Seite 93 

Fazit

Ein gelungener Auftakt, der mit den verschiedensten und ausgefallensten Wesen punkten kann. Sowie mit einem spannenden Finale und einem tolle Setting. Definitiv eine Überraschung.


Mittwoch, 8. November 2017

[Rezension] Elea Brandt - Opfermond

Verlag: Mantikore
Reihe: Einzelband
Seiten: 437
Kauf Verlag: eBook - Taschenbuch
Kauf Amazon: eBook - Taschenbuch

Inhalt

In der Stadt des Blutigen Gottes herrscht das Recht des Stärkeren. Als der Assassine Varek angeheuert wird, einen Mord aufzuklären, klingt das nach einer willkommenen Abwechslung von seinem verhassten Tagewerk. Doch die einzige Zeugin, das Freudenmädchen Idra, weiß mehr, als sie preisgeben will. Um an ihre Informationen zu gelangen, geht Varek ein Bündnis mit ihr ein, das ihn schmerzhaft an bessere Zeiten erinnert. Die Spur des goldenen Skarabäus führt ihn schließlich zu einem grausamen Kult, der mehr als nur ein Blutopfer verlangt ...



Meine Meinung

Geschichte

Nach langer Zeit mal wieder ein Buch, welches mich richtig aus den Socken gehauen hat. Alles um mich herum konnte ich ausblenden, es gab nur das Buch und mich.
Doch puh, wo fange ich an? Das Setting war grandios. Ich liebe erfundene Städte, vor allem, wenn sie so komplex aufgebaut sind. Mit wenigen Worten konnte die Autorin mir die Stadt bildlich vor Augen erschaffen, so grausam und geheimnisvoll, wie die Geschichte.
Wie man schon auf dem Cover liest, ist das Buch eine Mischung aus Fantasy und Thriller. Somit basiert die Geschichte auf einem Mord, der aufgedeckt werden muss. Dieser ist so detailliert, birgt extrem viele Facetten und kann einen böse in die Irre führen. Bewundernswert war dieser rote Faden. Während des Buches wurde mir immer wieder bewusst, dass die Autorin nichts dem Zufall überlässt. Alles ist perfekt durchdacht und geplant. Jedes Detail holt einen früher oder später wieder ein. Dabei werden dem Leser immer wieder Informationen zugeworfen, aber nie zu viele.
Ein richtiger Pageturner. Mit jedem Detail, welches man erfährt, mehr. Das liegt aber vor allem auch an der düsteren Stimmung. Das Buch ist wohl nichts, für schwache Nerven. Hier wird niemand zimperlich behandelt. Ob Protagonist oder Nebencharakter. Hier schlägt der Realismus zu.
Vor allem das Ende setzt noch einmal einen auf die verdammt hohe Spitze des Spannungsberges. Es ist actionreich, blutig und schockierend.
Selten lese ich ein Buch, indem keine Frage offen bleibt und bei dem ich jedes Geheimnis erst am Ende erfahre und nicht schon vorher auflöse.

Charaktere

Das Buch hat zwei Hauptcharaktere, die nicht so schnell zusammengeführt werden, wie man erwarten mag. Beide sind von Grund auf verschieden.
Varek, der Assassine, lebt ein ansehnliches Leben. Wäre die Ursache dafür nicht ein Schicksal, welches er sich niemals gewünscht hat. Er soll den Mordfall klären und begibt sich dafür in schlimme Gefilde. Ich liebe seine radikale Art und vor allem, dass diesmal ein Erwachsener als Charakter ausgesucht wurde. Kein kleines Mädchen mit speziellen Kräften. Nein, Varek ist durchschnittlich und punktet alleine mit seinem geprägten Charakter.
Auch Idra ist sehr speziell. Als Hure trägt sie ihren Stolz sehr hoch und hat einen sehr egoistischen Charakter. Manchmal konnte sie mich zur Weißglut bringen, aber auch mit ihr wurde ein starker Charakter geschaffen und vor allem Verständnis.
Perfekt war einfach, dass man die Protagonisten hassen und lieben, aber sie nie loslassen konnte. Man muss sie einfach ins Herz schließen, denn ihre charakterlichen Wandlungen sind nachvollziehbar.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil macht das Buch zu einem Pageturner. Er ist sehr bildlich und zensiert nichts. Hart und ehrlich lernt man die Stadt und ihre Grausamkeiten kennen. Dabei werden auch verschiedene Akzente und Ausdrucksweisen berücksichtigt, die einfach zum Buch dazugehören. Obwohl ich kein Fan von grober Sprachweise in Büchern bin, so war sie hier perfekt, passend und wurde eins mit dem Text. Ich kann nur meinen Hut ziehen vor einer so tollen Sprachgabe.
Geschrieben wird das Buch aus der Sicht von dem Assassinen Varek und der Hure Idra in der dritten Person.

Cover & Titel

Eines der tollsten Cover, die ich kenne. Es spiegelt die Geschichte in den Farben und der Symbolik wieder, gibt Hinweise, aber löst nichts auf. Ich liebe den Skarabäus in der Mitte und bin gebannt von dem Mond.
Auch der Titel passt perfekt und verrät noch nicht zuviel. Zudem klingt er der Thematik entsprechend düster.

Zitat

"Wo weder Neid noch Eifersucht herrschten, konnte zumindest noch ein Hauch von Zuneigung entstehen."
- Seite 97

Fazit

Definitiv eines der Top-Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. Unglaublich bildhafte und düstere Beschreibungen, eine tolle Genremischung und eine maximal durchgeplante Handlung.




Samstag, 4. November 2017

[Rezension] Kim Leopold - BlackHeart, Ein Märchen von Gut und Böse

Verlag: Selfpublish
Reihe: BlackHeart, Band 1 (Serie)
Seiten: 114
Kauf: eBook

Inhalt

„Es war einmal ein blindes Mädchen, welches in einem kleinen Dorf in Norwegen wohnte. Der Verlust der Mutter, die zu Unrecht als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, weckte in ihr alte, magische Fähigkeiten. Nur ein Wächter konnte sie aus dieser lebensbedrohlichen Situation befreien. Sein Name war Mikael ...“
Wie schnell Märchen wahr werden, erfährt Louisa an ihrem achtzehnten Geburtstag. Ihr Leben gerät aus dem Gleichgewicht, denn plötzlich begegnen ihr Gestalten, die keineswegs real sind. Wie gut, dass Alex sich auskennt und ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Aber ist sein plötzliches Auftauchen wirklich Zufall?


Meine Meinung

Allgemein

Bereits die "How to be happy"-Reihe von der Autorin habe ich geliebt. Mit "Black Heart 1" fängt nun der Auftakt einer monatlichen Reihe an, im Genre Fantasy. Und nach der letzten Seite musste ich merken... Auch in diesem Bereich schreibt die Autorin einzigartig schön.
Schon der Einstieg bietet eine gehörige Portion Spannung und leitet das Buch gebührend ein. Denn obwohl die Bücher nur wenige Seiten haben, bietet sich dem Leser schon eine Menge Stoff.
Begeistern konnte mich in diesem Buch der Zeitenwechsel. Wir haben einerseits ein etwas mittelalterliches Setting und ein modernes. Dadurch kommen verschiedene Spannungen und Gefühle auf.
Durch diese beiden Zeiten konnte die Autorin sich auch an altertümlichen und neueren Fantasy-Geschöpfen bedienen. Zeitlich hat alles perfekt zusammengepasst.
Der Leser bekommt zudem ordentlich Feuer unter dem Hintern. Keine Seite bleibt ungenutzt und so bleiben am Ende einig Fragen, die viel Potenzial für die Folgebände liefern und super neugierig machen, wie es weitergehen wird.

Charaktere

Die Protagonistin Lou ist außergewöhnlich. Nicht in dem Sinne, dass sie eine MissPerfect in jeder Hinsicht ist. Nein. Sie schraubt lieber an Flugmaschinen rum und bringt ihre Mum damit gehörig zur Weißglut. Sie war mir auf Anhieb sympathisch. Ihre Gedankengänge wirken so realistisch, überzeugend, unüberlegt. Sie kommen, wie sie kommen.
Auch das blinde Mädchen bot einige neue Aspekte. Ihre Sicht zu lesen war authentisch und berührend, da soviel Kraft in ihr mitschwebte.
Auch die anderen Charaktere sind schön ausgearbeitet, doch lernt man sie wohl noch näher in den Folgebänden kennen.

Schreibstil & Sichtweise

Wie ich schon bei anderen Büchern der Autorin feststellen musste: Der Schreibstil ist außergewöhnlich. Man darf hier keinesfalls mit Dark- oder Highfantasysätzen rechnen, doch entführt die Wahl der Wörter einen in genau die Situationen, die gewollt sind.
Geschrieben ist das Buch aus mehreren Perspektiven. Da das Setting auch an drei verschiedenen Orten stattfindet, ist das ein Muss, welches ich nicht missen möchte.

Cover & Titel

Ich liebe das Cover sehr. Die blaue Farbe mit der Symbolik im Hintergrund, die ein wenig wie eine Uhr für mich ausschaut. Symboliken symbolisieren für mich immer etwas Altes und somit die mittelalterliche Sichtweise. Auch fallende Blätter stehen oft für die vergehende Zeit.
Den Titel gilt es noch zu erforschen. Wer ist Gut, wer ist Böse? Wer hat das schwarze und rote Herz?

Zitat


"Mit dem Schicksal soll man nicht spielen, um das Leben von Menschen zu verändern." 
- Position 173

Fazit

Ein solider Auftakt, der viel verspricht. Zwei Zeiten, zwei Lebensstile, miteinander verknüpft. Ich finde die Grundidee super und die wenigen Seiten bieten schon viel Stoff, dessen Lösung ich wissen möchte.






Samstag, 28. Oktober 2017

[Rezension] Vivienna Norna - Timeless Chance

Verlag: SadWolf
Reihe: Timeless, Band 1 von 3
Seiten: 442
Kauf Verlag: eBook, Taschenbuch und signiert
Kauf Amazon: eBook - Taschenbuch

Inhalt

Die Welt liegt in Schutt und Asche. Grausame Wesen haben alles zerstört, was Caylor je geliebt hat. Ihre Heimat, Freunde und Familie existieren nicht mehr.
Doch sie hat eine Chance alles zu verändern. Mit Hilfe ihrer machtvollen Gabe flieht Caylor in die Vergangenheit vor der Vernichtung, doch der Preis ist hoch.
Wird es ihr gelingen, das ihr entgegengebrachte Misstrauen ihrer Geliebten zu besiegen und ihre Welt vor dem nahenden Krieg und der totalen Zerstörung zu bewahren?


Meine Meinung

Geschichte

Ein Zeitreise-Fantasy-Roman in der vier verschiedene Völker eng zusammen leben. Engel, Vampire, Menschen. Eine definitiv interessante Mischung, die mich neugierig gemacht hat.
Vor allem beim Thema "Zeitreisen" bin ich kritisch, da viele Bücher voll von Logikfehlern sind. In diesem Buch musste ich oft überlegen, wie die Zusammenhänge bestehen, wie die Veränderungen aussehen und ob alles logisch zusammenpasst. Mein Fazit: Ja, das tut es. Aber: In diesem Buch wird es noch leicht gehalten. Die Protagonistin reist in der Zeit und ändert riesige Geschehnisse. Allerdings bekommt man erst gegen Ende einen kleinen Einblick, wie sich das auf die eigentliche Gegenwart ausgewirkt hat. Somit fehlt der Vergangenheit-Gegenwart-Vergleich, wegen dem die Protagonistin eigentlich gereist ist. Den wird man wohl in Band 2 voll zu spüren bekommen.
Die Geschichte an sich fängt gleich rasant an. Man ist mitten im Geschehnis und hat einen kleinen "Kick-Start".
Auch während das Buch weiter fortschreitet ändert sich dies nicht. Immer wieder hat die Protagonistin Flashbacks aus einer grausigen Vergangenheit, die mitunter die Szenen bildeten, die mich am meisten packten.
Das Beisein bei Trainingseinheiten und das Kennenlernen eines anderen Volkes bildeten eine gute Mischung, sodass mir nie Langweilig wurde.
Während des Buches arbeitet die Protagonistin auf einen Kampf hin. Sie möchte die Zukunft, die sie erlebt hat, ändern. Zu Gunsten der Völker. Genau auf diesen Kampf fieberte ich das ganze Buch hin. Für mich war es das große Finale. Doch dieses große Finale viel sehr happig aus. Über ein paar wenige Seiten herrschte die Spannung des Kampfes und dann war schon alles vorbei. Beendet durch den für mich nervigsten Grund: Ohnmacht.
Doch die letzten Seiten des Buches konnten meine kleine Verstimmung wieder gerade biegen. Was vorher surreal erschien, wurde real. Die Protagonistin ist wieder in ihrer eigenen Hölle angelangt und als Leser fieberte und hoffte ich mit, dass ihr nichts geschieht. Es wird rückblickend auf die Träume zugegriffen, wodurch ein roter Faden entsteht, der die Geschehnisse im Buch miteinander verknüpft.

Charaktere

Die Charaktere hatten alle einen deutlich eigenen Charakter. Sie waren ausgeprägt und konnten viel bieten.
Caylor bringt schon viele Wunden mit und so erfährt man bei ihr keine wirkliche Entwicklung, da sie ihre Entwicklung praktisch schon in der Vergangenheit durchlaufen hat.
So ging es mir mit vielen Charakteren. Sie durchlaufen keine wirkliche Entwicklung und bleiben so, wie sie von Beginn an sind. Nur bei wenigen ändert sich was im Denken.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil gefiel mir gut. Er war detailliert und auch spannend. Jedoch brachte er mich teilweise nicht in den Lesefluss, den ich mir gewünscht hätte.
Geschrieben wurde das Buch aus der Sicht von Caylor in der Ich-Perspektive.

Cover & Titel

Der Hintergrund des Covers ist düster. Durch die fallenden Federn wirkt es ein wenig wie ein Untergang, was auch zu dem Buch passen würde. Es wirkt, als würde der Hintergrund brennen und schwarze Rauchwolken aufsteigen. Links sieht man Caylor. Dadurch, dass sie nur halb auf dem Cover ist, kommt der Hintergrund mehr zur Geltung. Ein Freund von Menschen auf Covern bin ich dennoch nicht. Trotzdem ist das Cover ansprechend und verkörpert den Inhalt sehr gut.
Auch der Titel gefällt mir sehr gut. Verbunden mit Caylors Fähigkeiten und dem Ende des Buches, trifft er den Inhalt des Buches.

Zitat

"Mein Spiel war mehr als riskant, aber ich wusste um ihre Natur. Um sich Anerkennung zu verschaffen, musste ich ihnen Stärke beweisen."
- Seite 210

Fazit

Eine starke Geschichte, die mit erschreckenden Geschehnissen und Kreaturen punkten kann. Definitiv ein gelungenes Debüt und eine schöne Verkörperung des Zeitreise-Effekts. Trotzdem fehlte mir manchmal der Moment, in dem ich das Buch nicht mehr Beiseite hätte legen wollen.



Freitag, 27. Oktober 2017

[Rezension] Jorge Galán - Mein dunkles Herz

Verlag: Penguin
Reihe: Einzelband
Seiten: 225
Kauf Verlag: Taschenbuch
Kauf Amazon: eBook - Taschenbuch

Inhalt

Im Hinterzimmer eines Hauses, das sich langsam mit den Schatten der Vergangenheit füllt, erzählt Magdalena ihrem Enkel die Geschichte ihrer Familie, die Geschichte eines Jahrhunderts. Sie erzählt von dem Fluch, der ihr Leben geprägt hat, und wie sie ihren Mann Vicente, der auf wundersame Weise gezeugt wurde, auf ebenso wundersame Weise kennenlernte. Es ist die Geschichte einer intensiven Liebe, die viele Jahre später an einer großen Tragödie zerbricht – einer Tragödie, die dafür sorgt, dass Magdalenas Enkel der Letzte einer Geschichte ist, die lange vor ihm begann, und dass es an ihm ist, sich aufzumachen, seine eigene Erzählung zu finden.


Meine Meinung

Geschichte

Alles fing an mit dem Klappentext, der mich sofort ansprach. Ich liebe Generationsgeschichten und war sehr gespannt auf die Umsetzung. Durch den Klappentext wusste ich bereits, dass die Großmutter den Enkeln die Geschichte erzählt, doch im Buch wurde das überhaupt nicht klar. Ohne das Wissen, wäre ich erst gegen Ende vage auf die Idee gekommen, dass die Geschichte erzählt wird und nicht gerade während der Lebensphase der handelnden Personen spielt.
Da es eine Generationsgeschichte ist, wird natürlich auch zwischen den Charakteren gesprungen. Dennoch handelt es sich eher um eine einzige Person. Zwar lernt man am Anfang mehrere kennen, doch fehlte mir sehr lange Zeit die Verbindung. Alles wirkte auf mich sehr zufällig. Die Auswahl der Charaktere, die Geschehnisse. Denn auch von dem Fluch bekam ich nicht viel mit. Nach Beendigung des Buches habe ich zwar eine Ahnung, was dieser Fluch sein soll, doch irgendwie hätte ich mehr erwartet.
Ich bin so durch das Buch gependelt, musste mehrfach abbrechen. Es wirkte, als hätte die Geschichte weder Hand noch Fuß. Die Handlungsstränge sind eher durch einen orangen Faden verknüpft. Er ist da, aber auch wieder nicht. Mir ist schlicht und ergreifend die Botschaft des Buches nicht klar geworden.

Charaktere

In erster Linie erfahren wir die Geschichte aus Magdalenas Sicht. Sie ist diejenige, die die Familiengeschichte an ihre Enkel weiter trägt. Sie hat mit Ängsten zu kämpfen, ist aber gleichzeitig eine sehr starke Frau, die sich nicht beirren lässt.
Auch die anderen Charaktere fallen in diese Schiene. Viele haben noch einen fest verwurzelten Glauben, aber alle ein Temperament, was wohl in der Familie liegt.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil ist relativ gewöhnungsbedürftig. Ich bin kein Fan von Anreden wie "Don", diese kamen jedoch konsistent vor. Zudem sollte man auch damit rechnen, dass Religion keine so kleine Rolle spielt, was mich auch nicht verwundert, schließlich spielt die Geschichte großteils im 20. Jahrhundert. Fesseln konnte mich der Schreibstil jedoch nicht.
Geschrieben wurde das Buch aus den Sichten mehrerer Familienagehöriger, die während des Jahrhunderts gelebt haben, in der dritten Person.

Cover & Titel

Das Cover ist wunderschön. Man sieht ein rotes Kleid und im Vordergrund den Papageien. Die Sonne scheint durch. Was dieses mit dem Buchinhalt zu tun hat, weiß ich jedoch nicht. Etwas riskieren? Frei sein? Ich könnte mir nun etwas reininterpretieren.
Auch der Titel sagt nicht allzu viel aus. Hat die Protagonistin ein dunkles Herz durch ihre Erfahrungen? Durch das Erlebte ?

Zitat

"Als sie klein war, hatte ihre Großmutter einmal gesagt, manche Menschen seien taub, weil sie den Klang des Universums hörten, so wie die Muscheln das Meer in ich trügen." 
- Seite 112

Fazit

Eine interessant Idee, an dessen Umsetzung es noch sehr hapert. Ich habe mich im Buch verloren gefühlt, habe den roten Faden nicht verfolgen können und auch der Schreibstil half nicht.



Dienstag, 24. Oktober 2017

[Rezension] Paolo Cognetti - Acht Berge

Verlag: DVA
Reihe: Einzelband
Seiten: 256
Kauf Verlag: Hardcover
Kauf Amazon: eBook - Hardcover

Inhalt

Wagemutig erkunden Pietro und Bruno als Kinder die verlassenen Häuser des Bergdorfs, streifen an endlosen Sommertagen durch schattige Täler, folgen dem Wildbach bis zu seiner Quelle. Als Männer schlagen die Freunde verschiedene Wege ein. Der eine wird sein Heimatdorf nie verlassen, der andere zieht als Dokumentarfilmer in die Welt hinaus. Doch immer wieder kehrt Pietro in die Berge zurück, zu diesem Dasein in Stille, Ausdauer und Maßhalten. Er ringt mit Bruno um die Frage, welcher Weg der richtige ist. Stadt oder Land? Gehen oder Bleiben? Was zählt wirklich im Leben?


Meine Meinung

Geschichte

Eine Geschichte über das Erwachsen werden.
Pietro ist noch jung, als er die Berglandschaften mit seinem Freund Bruno erkundigt. Aufgewachsen in der Natur und trotzdem liegt seine Sehnsucht woanders.
Diese Geschichte ist eine Ode an all die Zwickmühlen und Kreuzungen im Leben. Wohin führt der Weg? Was wünsche ich mir? Was wünsche ich anderen? Das Erwachsen werden ist nicht leicht und wenn der Weg für einen vorbestimmt ist, so möchte man ihn doch am liebsten durchbrechen.
Das muss Protagonist Pietro selbst erfahren. Als Kind wird man stets von seinen Eltern und seinem Umfeld geprägt.  So auch er. Sein Vater ist begeisterter Bergsteiger und so wünscht er sich nichts sehnlicher, als irgendwann mit seinem Sohn die Berge zu erkunden. Doch was macht man, wenn man seine Liebsten nicht enttäuschen will, aber eigentlich etwas ganz anderes möchte?
Pietro geht seinen eigenen Weg. Durchlebt einen Mix aus eigenem Willen und liebevolle Entscheidungen für andere. Er versucht seinen Wurzeln gerecht zu werden und gleichzeitig seinen Wünschen und  Vorstellungen vom Leben.
Dadurch, dass die Geschichte in erster Linie einen Lebensablauf darstellt, wirkte die Geschichte manchmal zäh. Es ist definitiv nichts, was man in ein oder zwei Tagen durchgelesen hat. Ich brauchte immer wieder Pausen nach ein paar Kapiteln. Einmal durchatmen, sacken lassen, nachdenken.
Dennoch punktete das Buch mit seinen Botschaften und der poetischen Ader. Die Wörter trugen etwas magisches, fesselndes in sich.

Charaktere

In erster Linie ist natürlich von unserem Protagonisten Pietro die Rede. Er versucht seinen Weg zu finden, Seine Gedankengänge waren tiefgründig und doch simpel. Ich konnte mit ihm fühlen und ihn verstehen, obwohl ich nie in seiner Situation war. Doch die Entwicklungen sind in einer gewissen Weise doch gleich.
Sein Freund Bruno bildet einen zweiten essenziellen Charakter. Er ist ein großer Stützpunkt in Pietros Leben und er bildet den Kontrast. Während Pietro seinen Wurzeln folgen möchte aber nicht kann, so war für Bruno immer klar, wohin er gehört. So klar, dass er alles andere aus den Augen verliert. Es werden zwei Extreme aufgezeigt.
Viele andere Charaktere gibt es auch gar nicht. Nebst Pietros Eltern, von denen man nur nebensächlich etwas erfährt, liegt der Fokus nur auf ihm und seinem Freund Bruno.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil ist sehr poetisch und tiefgründig. Er bringt eine Melodik, die einen selbst ganz melancholisch werden lässt. Ab und zu werden kleine Denkanstösse gegeben. Rätsel von Pietros Vater, die man für sich selbst beantworten kann. Auch wenn mich der Schreibstil einnahm, so brauchte ich dennoch manchmal Pausen, da die Geschichte an sich keine großen Wendungen und Geschehnisse hat.
Geschrieben ist das Buch aus Pietros Sicht in der Ich-Perspektive.

Zitat

"Vielleicht hatte meine Mutter recht, wenn sie sagt, dass in den Bergen jeder eine andere Lieblingshöhe hat: eine Landschaft, die ihm entspricht und in der er sich heimisch fühlt."
- Seite 42

Fazit

Ein poetisches Buch, welches stark zum Nachdenken anregt und die Facetten des Lebens und des Erwachsenwerdens aufzeigt. Jedoch teilweise langatmig, da das Leben nun einmal nicht immer Spannung pur ist.





Montag, 23. Oktober 2017

[Rezension] Jasmin Whiscy - Warum Gott single ist

Verlag: Twentysix
Reihe: Schutzengel-Trilogie, Band 3
Seiten: 355
Kauf: eBook - Taschenbuch

Inhalt

Manu ist 15, als sie ihr Amt als Valentines Schutzengel antritt. Schnell merkt sie, dass jemanden zu beschutzen gar nicht so einfach ist wie gedacht - und, dass ihr Herz sowohl fur Tobi als auch fur Janiel schlagt ...








Meine Meinung

Geschichte

Nach dem zweiten Band werden wir auf eine neue Aufgabe des Schutzengels Manu neugierig gemacht. Tollpatschig wie sie ist, sind die Erwartungen hoch. Doch soweit kommt es gar nicht.
Die Geschichte schlägt eine ganz unerwartete Richtung ein und im Himmel geht es drunter und drüber.
Für mich war das sehr positiv. Mit einer so extremen Wendung hätte ich niemals gerechnet. Während sich der Anfang noch leicht lustig einpendelt, so geht es schon knapp vor der Hälfte des Buches richtig zur Sache. Denn was ist der starke Kontrast zum Himmel? Die Hölle! Auch von dieser dürfen wir einiges erfahren.
In dem gewohnt witzigen Humor geht es auch bis Ende des Buches weiter. Doch erlebt man diesmal eine Spannung wie in den beiden Büchern vorher nicht. Ich war von jeder einzelnen Seite gefesselt, war verliebt in die Ideen, die Zusammenhänge, den Charakteren.
Vor allem die Interpretation der Hölle, Luzifers und Gott gefiel mir sehr. Ein Mix aus altbekannten Glaubensmustern und neuen Facetten.

Charaktere

Mit ihrer cleveren und sturrköpfigen Art versucht Schutzengel Manu mal wieder ihre Menschengedanken durchzusetzen. Ich gewinne sie immer lieber. Man hat sie über die drei Bücher hinweg auf ihrem Weg begleitet und zugesehen, wie sie sich entwickelt, erwachsener wird und dennoch sich selbst treu bleibt. Ihre unüberlegten Sprüche brachten mich immer wieder zum schmunzeln.
Währenddessen ist sie wieder hin und her gerissen zwischen dem Menschenjungen Tobi und Engel Janiel. Hier war ich zwischendurch zwiegespalten. Ich dachte, dass Manu sich mittlerweile entschieden hätte, doch da habe ich mich vertan. Noch immer kämpft sie mit ihren Gefühlen und über drei Bände hinweg, hätte ich sie gerne entschlussfreudiger gesehen.
Und dann sind im finalen Band noch Gott und Luzifer dabei. Ihre Personalisierung gefiel mir besonders gut. Unerwartet, lustig, tiefgründig.
Auch die Nebencharaktere waren allesamt liebevoll ausgearbeitet. Eine gute Mischung aus negativ, positiv und witzig auffallenden Personen.

Schreibstil & Sichtweise

Der Schreibstil ist sehr lebendig und detailreich. Da die Charaktere in einem jungen Alter sind, ist der Schreibstil auch etwas simpler gehalten. Er passt sehr gut zur Geschichte und charakterisiert sie sehr gut.
Geschrieben ist das Buch aus der Sicht von Schutzengel Manu in der Ich-Perspektive.

Cover & Titel

Oben ist die Neuauflage des Covers abgebildet. Zu Beginn gab es den schwarzen Rahmen herum noch nicht. Doch genau dieser gefällt mir sehr gut. Er rahmt die Symbole, die das Buch beschreiben ein und lässt das Cover etwas mystischer wirken. Die Symbolik zeigt das Gute und das Böse.
Den Titel finde ich sehr genial. Er wirft schon von Beginn eine Frage auf, die es zu beantworten gilt und mit der Auflösung hätte ich nicht gerechnet.

Zitat

"Es gibt kein Schlüsselerlebnis, keine Erinnerung, die mir das verraten kann. Und genau das, das verrät es mir. Den Grund, warum ich liebe, den gibt es nicht." 
- Position 3333

Fazit

Ein grandioser Abschluss, mit dem ich so nicht gerechnet hätte. Permanente Spannung, tolle Charaktere, wunderbare Neuinterpretation, gemischt mit alten und eine schlaflose Nacht. Die Reihe lohnt sich allemal. Lesen!


Dienstag, 17. Oktober 2017

[Rezension] Saskia Louis - Geheimnis der Götter, Funke des Erwachens

Verlag: DigitalPublishers
Reihe: Geheimnis der Götter, Band 1
Seiten: 308
Kauf Verlag: eBook
Kauf Amazon: eBook

Inhalt

Nym wacht auf und weiß nicht, wer sie ist.
Sie kennt die Geschichte der zwei verfeindeten Länder, dem göttlichen Bistaye und dem gottlosen Asavez. Sie weiß, dass das Mädchen, das ihr das Leben gerettet hat, eine Wahrheitsleserin ist. Sie weiß, dass der Bruder des Mädchens ein notorischer Frauenheld, Offizier in der asavezischen Garde und ein Ikano der Luft ist.
Doch sie hat keine Ahnung, wer sie umbringen will, warum sie eine so gute Kämpferin ist und wie ihr richtiger Name lautet. Und es gibt da anscheinend einiges, das sie lieber nicht hätte vergessen sollen...


Meine Meinung

Geschichte

Immer auf der Suche nach dem Fantasy-Roman, der mich umhaut, bin ich hier gelandet. In einer neu erfunden Welt, mit tollem System und grandiosen Grundgedanken.
Alleine der Anfang verspricht schon viel. Ein quirliges, kleines Mädchen; ein permanent, schlecht gelaunter, aber dennoch liebevoller großer Bruder und das Mädchen, dass ihr Gedächtnis verlor - teilweise.
Allein dieses Trio schuf bereits eine tolle Grundlage. Von Beginn an fragt man sich, was es mit der Vergangenheit des Mädchens auf sich hat. Was haben ihre Erinnerungslücken zu bedeuten und wer ist sie wirklich ? Das Rätsel wird immer wieder an die Oberfläche gezehrt, durch Vorkommnisse, die auf die Vergangenheit schließen oder wiederkehrende Erinnerungsfunken.
Doch nicht nur das Mädchen hat eine Geschichte zu erzählen. Auch ihre Begleiter sind tief in ihren Abenteuern versunken. So gilt es, Leute zu retten, die aus den Zirkeln der anderen Flussseite fliehen wollen. Diese Geschichte bringt uns im ersten Buch erstmal den Hauptstrang. Natürlich ist auch unsere Protagonistin Nym irgendwie in die Geschichte verwickelt, doch wie genau, dass erfahren wir noch nicht. Doch störend war das keineswegs.
Interessant war auch die fantastische Nuance der Ikano. Sie können die Elemente bezwingen, doch sind bei Weitem nicht mehr so zahlreich wie früher. Natürlich findet man Elementbändiger in vielen Büchern, doch die Autorin schuf hier Einzigartigkeit, durch ihre Ideen, was mit den Elementen alles bewerkstelligt werden kann.
Ich muss zugeben, dass ich als Finale erwartet habe, dass Nym erkennt, wer sie ist. Ein Cliffhanger, indem sie endlich ihre Vergangenheit erkennt. Doch da habe ich mich vertan. Ich liebe es, wenn ein Buch mich überraschen kann und dem war hier definitiv so. Das Finale war für einen ersten Band angemessen. Nicht übermäßig episch, aber definitiv fesselnd, packend, Neugierde weckend. Mein Interesse hat sich entfacht, den zweiten Band kann ich mir nicht entgehen lassen.

Charaktere

Die Autorin schuf einzigartige und liebevolle Charaktere. Jeder einzelne konnte in mir eine Leidenschaft entfachen, die ich selten in Büchern habe.
Die Protagonistin Nym hat einen starken, aufmüpfigen Willen. Doch ebenso ihr Begleiter Levi. Dadurch kommt es öfter mal zu kleinen Zankereien, bei denen beide aber auch mal nachgaben. Mir gefiel sehr gut, wie eine Spannung zwischen beiden aufgebaut wurde, die aber nie nervig wurde oder mich einen weniger lieben lies.
Für Auflockerung sorgten dann die kleine Schwester Liri und der beste Freund Ro. Sie überzeugte mit ihrer quirligen, kindlichen Ader und lies mich als Leser sorgen, wie eine Schwester. Ro brachte mich oft durch seine witzige Art zum schmunzeln.
Natürlich gibt es auch noch Charaktere auf der anderen Seite des Flusses. Aus Bistaye. Auch sie sind tolle Charaktere und bilden einen guten Kontrast zu Nym und ihrem Gefolge. Sie geben einen Einblick in das Reich, in dem die Götter herrschen, bleiben aber etwas geheimnisvoll.

Schreibstil & Sichtweise

Ich kam sehr zügig durch das Buch. Der Schreibstil ist flüssig und ausführlich. Die Autorin beschreibt weder zu viel, noch zu wenig. Mit den Charakteren brachte sie mich zum lachen, ärgern und lies die Spannung stetig wachsen.
Geschrieben wurde das Buch aus mehreren Perspektiven. In erster Linie aus Nyms. Doch auch aus Levis, sowie aus den Sichten von Vea und Jeki aus Bistaye. Alle in der dritten Person.

Cover & Titel

Das Cover gefällt mir sehr gut. Die Farben sind ein schöner, düsterer Mix. Aus den unteren roten Schnörkeln könnte man Berge erkennen, die auf den Ereignisort hinweisen. Das schwarze Loch könnte die Ungewissheit darstellen. Im Vordergrund sieht man Nym.
Der Titel "Funke des Erwachens" passt sehr gut. Schon lange werden Machtspiele gespielt, doch Nym weiß nichts mehr von Ihnen. Aus ihrer Sicht, erwacht sie gerade erst, lernt sich selbst kennen. Doch auch für alle anderen Charaktere beginnt etwas. Etwas Großes.

Zitat

"Erst erklärte sie seiner Schwester unglaublich süß und geduldig, was für außergewöhnliche Schmetterlinge es gab, und im nächsten Moment durchtrennte sie die Halsschlagader eines Angreifers, nur indem sie ihn berührte. Das war nicht normal! Das ging über die gewönhlichen Gefühlsschwankungen einer Frau hinaus." 
- Position 598

Fazit

Ein gelungener Auftakt, mit einer komplett neuen Welt und toll umgesetzten Ideen. Die Charaktere sind perfekt, die Story lässt fesselt und erleichtert mich. Das Ende ist ein kleiner Cliffhanger, der neugierig macht. Ich empfehle es gerne weiter!


Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 10. Oktober 2017

[Rezension] Gesa Schwartz - Scherben der Dunkelheit

Verlag: cbt
Reihe: Einzelband
Seiten: 592
Kauf Verlag: eBook - Gebunden
Kauf Amazon: eBook - Gebunden

Inhalt

Die sechzehnjährige Anouk verbringt die Ferien in einem kleinen Dorf in der Bretagne. Kurz nach ihrer Ankunft gastiert der Dark Circus in der Nähe: ein geheimnisvoller Zirkus, der im Dorf für seine düsteren und besonderen Vorstellungen bekannt ist. Auch Anouk gerät schnell in seinen Bann und damit in einen Kosmos, den sie kaum für möglich hielt: Eine magische Welt öffnet sich vor ihr, in der sie den mysteriösen Zauberer Rhasgar kennenlernt. Doch der Dark Circus birgt mehr, als Anouk ahnt. Bald schon schwebt sie in tödlicher Gefahr und weiß nicht mehr, wem sie trauen kann. Denn es gibt keine Regeln im Dark Circus bis auf eine: Nichts ist, wie es scheint ...

Meine Meinung

Geschichte

Mein erstes Buch von Gesa Schwartz. Einfach wow. Erst kurz bevor ich dieses Buch gelesen habe, hatte ich eine Unterhaltung über die Qualität deutscher und englischer Bücher und mit "Scherben der Dunkelheit" habe ich definitiv ein Buch gefunden, was für die deutsche spricht.
Mystisch, mysteriös, dunkel. Von der ersten Minute an, war ich gefesselt. Ich ließ mich in die Welt des "Dark Circus" entführen und kam dabei nicht zu kurz. Dieser Zirkus ist etwas besonderes, marschieren Sie hinein, genießen Sie die Vorstellung, aber seien Sie bitte nicht anders als der Rest. Denn dadurch fällt man auf.
Genau das passierte Anouk. Gelockt von der Magie der Zirkuswelt, landet sie in einem Strudel aus Magie, Intrigen und Geheimnissen. Dabei ist die Zirkuswelt so komplex aufgebaut, dass man nur staunen kann.
Mir fehlte in dieser Geschichte einfach nichts: Spannende, düstere Charaktere, deren Absichten unergründlich sind, Zirkusvorstellungen, die Magie in die Düsternis bringen und eine einzigartige Idee.
Positiv war für mich vor allem die unvorhersehbare Geschichte. Oft hat man einen Anfang, bei dem man schon erahnen kann, wohin das Finale läuft. Doch in diesem Buch geht alles sehr schnell und schon nach kurzer Zeit, läutete das erwartete Finale ein. Bis es sich nur als kleines Vorspiel entpuppte. Dadurch konnte ich das Buch oft nicht lange am Stück lesen. Der Mix aus einer einzigartigen Sprache und einer komplexen Idee, die permanente Spannung verspricht, lies meinen Kopf manchmal zu stark rauchen, weshalb ich oft Pausen brauchte, bevor auch dieser in die Schwärze der Dunkelheit herabgleitete.
Vor allem das Finale hatte es in sich. Über 100 Seiten, das lässt mein Bücherherz gleich höher schlagen. Somit konnte die Autorin noch viele unerwartete Wendungen einbauen.
Durch das Buch landete ich bereits in einer fremden, einzigartigen Welt. Doch im Finale entsteht eine Welt, in der Zirkuswelt. Die Autorin überträgt die Gefühle ihrer Charaktere auf den Leser. Die Verwirrung und Angst zogen sich bei mir durch jede Pore. Und manchmal war es für mich schwer zu dem Geschehen zu folgen. Die Fantasie von Gesa Schwartz ist enorm! Ohne Konzentration geht hier gar nichts.

Charaktere

Achja, die Charaktere.
So toll und ausgereift. Erwähnte ich schon, dass ich es liebe, wenn man diese nicht durchschauen kann? Das ist wohl der Knackpunkt an ihnen. Denn noch bis über die letzte Seite hinaus, denkt man, sie zu kennen, obwohl man es nicht tut. In den Dark Circus wird man nur eingeladen, wenn man die Vergangenheit hinter sich lassen möchte. Doch warum wollten das die Artisten des Circus? Jeder von ihnen birgt ein Geheimnis und die Handlungen sind so unvorhersehbar, dass man sie einfach nur lieben kann.
Vor allem Anouk ist mir mit ihrer Sturheit ans Herz gewachsen. Sie weiß ganz genau, was sie möchte und ihre Fähigkeiten und Gedanken gehen hierbei nicht unter. Jedes Detail wird aufgesogen und genutzt.
Niemand bleibt auf der Strecke. Fast jeder Charakter, der eingebunden wurde, bekam auch eine Rolle.

Schreibstil & Sichtweise

Die Wortwahl der Autorin ist einfach so unglaublich poetisch. Die Autorin schafft eine ganz neue Welt der Wörter und beschreibt mit ihnen so viele Details. Die Seiten sind übersät mit Metaphern, was vielen vermutlich zu viel werden könnte und um alles zu verstehen, muss man wirklich bei der Sache sein.
Geschrieben ist das Buch aus der Sicht Anouks, in der dritten Person.

Cover & Titel

Ich liebe das Cover. Es strahlt Magie und Dunkelheit gleichzeitig aus verleiht ihm somit einen speziellen Touch. Auch finde ich die Idee super schön, wie Anouk in der Luft/in der Schwärze zu schweben scheint. Selbst das Cover ist metaphorisch!
Auch der Titel scheint eine doppelte Bedeutung zu haben. Einerseits bezogen auf das Finale, andererseits auf die Gefühle der Charaktere.

Zitat

"Denn das Feuer der Sterne ist unsterblich, wenn es sich in menschlichen Augen bricht." 
- Seite 515

Fazit

Ein außergewöhnlicher Roman, mit einem starken Schreibstil und einer grandiosen Fantasie-Welt. Es wird viel Konzentration gefordert, die es jedoch wert ist.


Dienstag, 26. September 2017

[Blogtour] Einmal Clown sein ~ Sarah Ricchizzi - Einmal im Jahr für immer ~



Einmal Clown sein. Eine Therapie, nicht nur für andere, sondern auch für einen selbst, wie ich fest stellen durfte.

Für Sarahs Buch war ich einen Tag bei ihr, um auszutesten, wie es sich so als Clown lebt. Mich einmal in Amelie's Rolle und der des Clowns versetzen und den Charakteren im Buch noch näher kommen.
Also schminkten wir uns. Alleine das war schon eine witzige Prozedur, denn wir machten aus dem im Buch so witzigen und lustigem Clown, eine eher gruselige Stephen King Version.


Aber gut, jeder Anfang ist schwer! Schnell die Emo-Augen schminken und das Blut um den Mund herum schmieren, Perücke - ehm Echthaar! - und Shirt sitzen und ein Clown wurde geboren. 


Doch ich wollte ja wissen, wie sich Protagonistin Amelie fühlt. Statt den Clown also zu mögen, habe ich ganz schnell entschlossen, genervt von ihm zu sein und lieber das Weite zu suchen. Ist wohl die beste Entscheidung bei der Nervensäge! Aber eigentlich.... eigentlich hat er mir ja auch viel neue Kraft mit seinem Blödsinn gegeben.


Wenn er mich mal wieder im Bad erwischt hat, ohne anzuklopfen. Oder ich einer der ewigen Diskussionen mit ihm führen musste, ob wir einen seiner verrückten Pläne nun machen oder nicht. Tja, letzten Endes färbte das wohl ein wenig ab. 


Manchmal, ja manchmal da musste auch ich als Amelie dann verrückte Ideen umsetzen. Aber anstatt das der Clown genervt von mir war, lacht er mich aus... nein mit mir! 

Amelie gefiel mir sehr gut als Charakter. Ich hatte in ihrer Rolle sehr viel Spaß und konnte viele Emotionen durchleben. Auch mir ging es zunächst so, dass ich aus meiner Komfortzone heraus musste, dann jedoch anfing, an den kleinen und verrückten Dingen Spaß zu haben. Jedoch ging meine Trauer nie in Vergessenheit. Der Clown half mir, sie erträglicher zu machen.  

Doch ebenfalls wollte ich wissen, wie es ist, einmal ein Clown zu sein. Und so schminkte auch ich mich. Lies die Emo-Augen gleich weg und ging mit nun mehr Erfahrung vom ersten Mal an mein Clownsgesicht. Sorry, Sarah. Nächstes mal bin ich das Versuchskaninchen! 

Und so passierte es, dass wir beide als Clowns die Stadt unsicher machten! 
Kurzerhand gingen wir Richtung Thalia, wohin auch sonst? Zunächst war das Gefühl sehr komisch. Doch ich merkte schnell, dass man mit Selbstbewusstsein gar nicht gesegnet sein muss. 
Ein Clown zu sein, das bringt dir Selbstbewusstsein. Niemand erkennt dich und es ist schön, rumalbern zu können und dabei noch lächelnden Erwachsenen - na gut, die Lächeln für gewöhnlich nicht -, Kindern über den Weg zu laufen. 



Einmal Clown zu sein. Das zaubert nicht nur dem Kind oder dem Erwachsenen vor dir ein Lächeln auf die Lippen. Das bringt auch einen selbst zum Lächeln. Es ist eine Maske, die man aufsetzt, doch es fühlt sich nicht wie eine an. Man wächst in kürzester Zeit in seine Rolle. Sie stärkt das Selbstbewusstsein. Man traut sich mehr. Und mit der Zeit lernt man wohl auch so zu sprechen und handeln, als wäre die Rolle einem angeboren.
Einmal im Jahr ein Clown sein. Das kann ich nur jedem empfehlen. 




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Die Tour ist noch lange nicht vorbei!
Wenn ihr neugierig seid, was noch kommt oder schon gewesen ist, schaut doch mal bei den anderen vorbei, die Party ist noch lange nicht vorbei! ... Und jetzt ab ins Bett mit euch. 



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Hier lang geht es übrigens zu meiner Rezension:

 Einmal im Jahr für immer